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Der heilige Franz von Assisi im Mindener Dom

Das Fresko aus dem 13. Jahrhundert im Mindener Dom mit der ältesten Abbildung des heiligen Franz von Assisi (r. u.) nördlich der Alpen. Foto. DVM
Das Fresko aus dem 13. Jahrhundert im Mindener Dom mit der ältesten Abbildung des heiligen Franz von Assisi (r. u.) nördlich der Alpen. Foto. DVM

Minden (DVM). Im Jahr 2026 jährt sich der Todestag des heiligen Franz von Assisi zum 800. Mal. Weltweit wird an einen Mann erinnert, dessen radikale Hinwendung zu Armut, Frieden und Geschwisterlichkeit die Kirche des Mittelalters tiefgreifend veränderte – und dessen Impulse bis heute nachwirken.

Der Mindener Dom besitzt in diesem Zusammenhang ein Kunstwerk von außergewöhnlicher Bedeutung: das älteste bekannte Fresko mit Franz von Assisi nördlich der Alpen. Es handelt sich um ein monumentales Altarbild aus dem späten 13. Jahrhundert – ein Werk von europäischem Rang.

Das Fresko wurde Ende des 13. Jahrhunderts im Auftrag des Mindener Bischofs Volkwin von Schwalenberg geschaffen. Es befand sich ursprünglich über der Altarmensa am südwestlichen Vierungspfeiler und war damit unmittelbar in die Liturgie eingebunden.

Franziskus war keine Randfigur

„Bereits diese prominente Position zeigt: Franziskus wurde nicht als Randfigur dargestellt, sondern als integraler Bestandteil des kirchlichen Heiligenkanons. Im unteren Register erscheinen vier Heilige unter aufwendig gestalteten, krabbenbesetzten Wimpergen mit Namensbeischriften: Sanctus Nicolaus, Sancta Caterina, Sanctus Bartholomeus und Sanctus Franciscus“, beschreibt der Vorsitzende des Dombau-Vereins Minden (DVM), Hans-Jürgen Amtage. Der überkonfessionelle Förderverein engagiert sich in diesem Jahr seit acht Jahrzehnte für Erhalt und Förderung des Mindener Domes und des Domschatzes Minden.

Franziskus ist auf dem Fresko im schlichten Habit mit Tonsur dargestellt. Seine rechte Hand erhebt er im Segensgestus, die linke hielt einst einen Gegenstand, der heute nicht mehr eindeutig erkennbar ist. In der zweiten Reihe folgen Johannes der Täufer, Petrus, Gorgonius sowie eine weibliche Heilige, die nicht genau identifizierbar ist. Bekrönt wird das gesamte Bildprogramm von einer monumentalen, rund vier Meter hohen Madonna mit segnendem Kind.

Zwischen Spätromanik und Frühgotik

Das Fresko ist Bestandteil eines Altarbildes mit Madonna und Christus auf dem südwestlichen Vierungspfeiler im Mindener Dom. Foto: DVM [Hinweis: Dieses Foto wurde mit Künstlicher Intelligenz bearbeitet, um das Altarbild stärker zu verdeutlichen.]
Das Fresko ist Bestandteil eines Altarbildes mit Madonna und Christus auf dem südwestlichen Vierungspfeiler im Mindener Dom. Foto: DVM [Hinweis: Dieses Foto wurde mit Künstlicher Intelligenz bearbeitet, um das Altarbild stärker zu verdeutlichen.]
Stilistisch stehe die Malerei an einer Schwelle, sind Kunsthistoriker überzeugt: Sie verbinde spätromanisches Formengut mit frühgotischer Gestaltung. Charakteristisch seien scharf umbrechende Gewandfalten, zugleich aber bereits ruhig geführte Vertikalfalten. Die Köpfe zeigen eine bemerkenswerte Individualisierung und Feinfühligkeit in der Zeichnung.

Architekturdetails wie Baldachine und Zwickeltürmchen stehen in enger Beziehung zur Architektur des Langhauses des Mindener Domes. Die Malerei dürfte in die Zeit zwischen etwa 1290 und 1300 zu datieren sein, wobei einzelne Forscher auch eine leicht frühere Einordnung diskutieren. Vergleichbare Wandmalereien fehlen in Westfalen nahezu vollständig. Das Fresko gilt damit nicht nur als ein lokales, sondern ein überregionales Zeugnis hochqualifizierter Malerei.

Bemerkenswert sind regelmäßige Vertiefungen an Baldachin, Krone und Gewand der Madonna, die auf die ursprüngliche Befestigung von Emails oder Halbedelsteinen hinweisen. Reste von Stuckornamenten am Sockel belegen die einstige reiche Ausstattung.

Die Geschichte der Wiederentdeckung dieses Freskos ist ebenso bewegend wie die Geschichte des Bildes selbst, betont Hans-Jürgen Amtage. 1939 wurde während einer Domrenovierung zunächst der obere Teil der Madonna freigelegt, nachdem die bekrönende Christusfigur des Altares entfernt worden war. Nach den Zerstörungen im gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im März 1945 durch alliierte Bomben wurde vor 80 Jahren 1946 bei Sicherungsarbeiten an der Domruine der übrige Teil der Malerei entdeckt.

1957 begannen nach dem Wiederaufbau des Langhauses umfassende Restaurierungsarbeiten. Während dieser Maßnahmen stürzte ein Teil der Verschalung herab und zerstörte weitere Partien. Gesicherte Fragmente gingen später durch unsachgemäße Lagerung verloren. Die Fehlstellen wurden schließlich nach historischen Fotos ergänzt.

1979 erfolgten weitere Sicherungen, 1987 umfassende Untersuchungen. 1994 erhielt das Fresko eine Schutzverglasung. Heute präsentiert sich das Werk stabilisiert, jedoch mit sichtbaren Spuren seiner bewegten Geschichte.

Franz von Assisi bei der Domführung erleben

Für den Vorsitzenden des Dombau-Vereins Minden ist das Jubiläum 2026 daher weit mehr als ein historisches Datum: „Das Franziskusfresko im Mindener Dom ist ein Schatz von europäischem Rang. Es zeigt, wie früh die Ideen des heiligen Franziskus auch in Norddeutschland aufgenommen wurden. Dieses Werk steht für geistlichen Aufbruch und für eine erstaunliche Offenheit der Kirche im 13. Jahrhundert. Es ist unsere Aufgabe, diesen Schatz zu bewahren und seine Botschaft neu zu erschließen.“

Das Fresko mit dem heiligen Franz von Assisi steht auch bei der Öffentlichen Führung mit Domführerin Betina Hofmann am Samstag, 14. März, 11 Uhr, im Mindener Dom im Fokus, zu der der Dombau-Verein Minden einlädt. Eintrittskarten für die Führung sind online auf www.dvm-event.de und beim Besucherservice im Domschatz Minden, Kleiner Domhof 24, erhältlich.

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